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Geschichtlicher Überblick

Die Geschichte des heutigen Marktes Wallersdorf ist in erster Linie eine „Geschichte der kleinen Leute", der Bauern, Söldner, Häusler, Tagwerker und weniger Handwerker, aber auch von hochqualifizierten Pfarrherren und wohlfundierten Bruderschaften. Nur im Mittelalter erscheinen in den alten Urkunden einige Angehörige des Adels als Grundherren in diesem Ort.

 

Selbstverständlich war die Geschichte Wallersdorfs und seiner Bewohner auch eingebettet in die Geschichte des bayerischen Landes, von der Herrschaft der Bajuwarenherzöge, über Fürsten, Könige und Kaiser bis zur heutigen demokratischen Gesellschaft.

 

Der Markt Wallersdorf liegt am Südrand der weiten Ebene des Gäubodens, der sich im Dreieck zwischen Donau, Isar und dem Niederbayerischen Hügelland erstreckt. Diese klimatisch und verkehrsgünstig gelegene fruchtbare Lößebene schuf seit etwa 6000 Jahren gute Voraussetzungen für die menschliche Siedlungstätigkeit. Viele Bodenfunde zeugen davon, dass im Gebiet um den heutigen Markt Wallersdorf schon in der Steinzeit Siedlungsstellen bestanden. Östlich der Ortschaft weitet sich das Bachbett des Reißinger Baches. Dieser bildete früher mehrere Wasserläufe aus. Das Moosgebiet der Isar reichte bis an den Südrand der Ortschaft heran. Am Nordrand dieses Moosbeckens erstreckt sich zwischen Wallersdorf und Haunersdorf eine leichte Anhöhe, die schon den Menschen der mittleren Steinzeit eine entsprechende Siedlungstätigkeit ermöglichte.

 

Hier war das Land windgeschützt, sonnig und warm, während weiter südlich das Isarmoos voller trügerischer Moore, sumpfiger Schilfbestände und Altwasser, siedlungsfeindlich war. Den Siedlern lieferte der Reißinger Bach Wasser für Mensch und Tier. Hier gab es für die „Jäger und Sammler" der Vorzeit aber auch Waldtiere, die zur Tränke kamen, in Tümpeln reichlich Fische und aus dem Moor her Sumpfvögel. Dazu kam der fruchtbare Boden, der die Siedler der späteren Zeit schließlich sesshaft werden ließ.

 

So lässt sich eine entsprechende Siedlungsgeschichte in unserem Heimatraum nachweisen:

 

Ab ca. 6000 v.Chr.

Ältere Steinzeit

Höhlenmenschen leben bei Weltenburg und Münster bei Straubing.

 

Ab ca. 4000 v.Chr.

Mittlere Steinzeit

Wandernde Steinzeitmenschen ziehen als Jäger und Sammler durch die Gegend, Werkzeuge aus rohen Steinen.

 

Ab ca. 3000 v.Chr.

Jüngere Steinzeit

Menschen werden sesshaft, bauen Häuser, züchten Haustiere, erzeugen schon Tongefäße, Werkzeuge aus Knochen und geschliffenen Steinen.

 

Ab ca. 1800 v.Chr.

Bronzezeit

Bronzewerkzeuge, Messer, Schwerter, Lanzen; Bronzegefäße und Schmuckstücke erleichtern und verschönern das Leben.

Ab ca. 800 v.Chr.

Eisenzeit

Werkzeuge, Geräte und Waffen werden nun aus Eisen gefertigt. Die hier ansässigen Kelten treiben schon regen Handel zwischen Rhein und Schwarzem Meer (Wallersdorfer Goldfund!).

 

15 v.Chr.

Die Römer kommen über die Alpen und übernehmen die Herrschaft über die hier ansässige Bevölkerung, Vertreiben sie aber nicht, sondern nutzen ihre Fähigkeiten.

 

ca. 530 n.Chr.

Nach der Vertreibung der Römer erscheinen die Bajuwaren in unserer Heimat. Sie führen strenge Regeln für das strenge Zusammenleben ein, leben in größeren Siedlungen und bestatten ihre Toten in Reihengräbern (Friedhof an der Moosfürther Straße). Teile der römischen Besatzung, meist Walhen genannt, verbleiben im Lande.

 

Ab ca. 700 n.Chr.

Das Christentum hält bei uns überall Einzug, Klöster werden gegründet (Niederalteich).

 

741 n.Chr.

Erstmalige schriftliche Erwähnung der Ortschaft Walhinesdorf.

 

12.-14.Jhdt.

Wallersdorf ist eine Hofmark unter adeliger Verwaltung, Gerichtsbarkeit hat der Landesherr. Der Ort gehört zum Landgericht Natternberg.

 

1613

Erste Pfarrschule in Wallersdorf.

 

1790 - 1821

Pfarrer Riccabona in Wallersdorf.

 

1792 und 1860

Neue Schulhäuser werden gebaut.

 

1802

Gemeinde Wallersdorf kommt zum Landgericht Landau a.d. Isar.

 

1849 (20. Sept.)

Kirche und mehrere Häuser brennen.

 

1859

Neue Kirche geweiht.

 

1953

Wallersdorf wird zum Markt erhoben.

 

1954

Markt Wallersdorf erhält ein Wappen.

 

1972 (1. Januar)

Große Gebietsreform! Wallersdorf wird Großgemeinde im Landkreis Dingolfing-Landau.

Die Gemeinden Haidlfing und Haidenkofen werden eingegliedert.

 

1977

Neuer Kindergarten in Haidlfing wird eingeweiht.

 

1977 (2. Dez.)

Neue Hauptschule mit Turnhalle eingeweiht.

 

1978 (1. Juli)

Gemeinde Altenbuch und Teile der Gemeinde Ettling schließen sich an.

 

1988/91

Ortskernsanierung, Marktbrunnen.

 

1991/93

Ausbau der zentralen Wasserversorgung und der Abwasseranlagen im gesamten Gemeindegebiet.

 

1997

Neubau der Kläranlage Ettling und Anschluss der Ortsteile Ettling und Westerndorf.

 

1997 (6. Sept.)

Das neue Rathaus wird eingeweiht.

 

1998

Anschluss des Ortsteils Moosfürth an die Kläranlage Wallersdorf

 

1998 (12. Sept.)

Die umgebaute und erweiterte Kläranlage in Wallersdorf wird eingeweiht.

 

2001 (03. Mai)

1. Spatenstich zum Neubau einer 2-fach-Turnhalle

 

2001 (7. Juli)

Das neue Feuerwehrgerätehaus Wallersdorf wird eingeweiht.

 

2002 (September)

Die neue Zweifach - Turnhalle wurde pünktlich zum Schuljahresbeginn in Betrieb genommen.

 

 

 

Geschichte der Ortschaft Haidlfing

 

Haidlfing – Die Geschichte eines Gäubodendorfes
Der Ort Haidlfing im fruchtbaren Gäuboden hat im Jahr 1999 seine 1250-Jahr-Feier begangen; tatsächlich dürfte das Dorf aber wesentlich älter sein. Die Geschichte Haidlfings reicht weit in die Frühgeschichte und damit in eine urkundenlose Zeit zurück. Zahlreiche Funde aus der Steinzeit sowie aus der Bronzezeit lassen auf eine vieltausendjährige Besiedlung der hiesigen Flur schließen. Nach der Eroberung des Gebietes zwischen Donau und Isar durch die Römer im Jahr 15 v. Chr. prägte die Besatzungsmacht die kulturelle Entwicklung. Noch heute zeugen die Überreste von zwei Römerstraßen von dieser Zeit.
Das Kirchenpatrozinium des Hl. Laurentius, der römischer Erzdiakon gewesen war, läßt darauf schließen, dass die Kirche in Haidlfing noch unter dem Einfluss der Römer entstand. Diese zogen sich gegen Ende des 5. Jahrhunderts nach Italien zurück. In unseren Raum siedelten sich nun einwandernde Völker aus dem Osten an, die zusammen mit der zurückgebliebenen Bevölkerung den Stamm der Bajuwaren bildeten. Sie siedelten in Sippen und benannten ihre Ortschaften nach ihrem Führer. So dürfte um die Mitte des 6. Jahrhunderts am Reißinger Bach „Ze Haidolfingen – bei Haidolf und seinen Leuten“ entstanden sein. Die Namensendung „-ing“ läßt auf die ältesten Siedlungen in Altbayern schließen. Die Edlen von Haidlfing lassen sich bis ins 13. Jahrhundert weiterverfolgen.
Die Geschicke Haidlfings waren seit frühester Zeit eng mit dem Kloster Niederaltaich verbunden.
Auch die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 749 hängt mit den Schenkungs- und Besitzurkunden des Donauklosters zusammen. Über zahlreiche Höfe hatte das Kloster bis zur Säkularisation 1803 die Grundherrschaft (Obereigentum) inne. Haidlfing erhielt für die Mönche bald eine überragende Stellung im Donau-Isar-Gau und wurde so zu einem „Ambt“ von Niederaltaich. Der sogenannte Ammer hatte für das Kloster die Abgaben der Untertanen einzusammeln.
Auch die Geschichte der Pfarrei Haidlfing hängt eng mit dem Kloster Niederaltaich zusammen. Vermutlich zählte die Kirche bereits zu den Urpfarreien des Bistums Regensburg. 1148 wurde die Pfarrei dem Kloster Niederaltaich „inkorporiert“, wodurch dem Kloster das Besetzungsrecht für die Haidlfinger Pfarrstelle sowie dessen Erträge zufielen. Seit jeher steht hier eine Kirche, die dem Hl.Laurentius geweiht ist. Im Jahr 1600 wurde sie als einzige Renaissancekirche im Altlandkreis Landau neu gebaut. 1698 bis 1700 errichtete Pfarrer Hauner den heute markant in die Landschaft grüßenden Kirchturm. Um allen Kirchenbesuchern ausreichend Platz zu bieten, wurde unter Pfarrer Moser 1922-24 das alte Kirchenschiff abgebrochen und ein neues Gotteshaus gebaut. Als zweites Wahrzeichen Haidlfings zählt das kleine und schmucke Antoniuskirchlein, das 1702 zur Förderung der Wallfahrt gebaut wurde. Noch heute findet jedes Jahr im Dorf die Antoniusprozession statt. Der schwarze Bauer aus dem Wappen des Erbauers, Pfarrer Hauner, findet sich heute im Ortswappen Haidlfings. Ebenso ist dort der grüne Dreiberg auf gelbem Grund des Kloster Niederaltaich’schen Wappen enthalten.
Im Jahr 1818 wurden in Bayern die politischen Gemeinden gebildet. Auch Haidlfing bildete damals eine eigene Gemeinde, der neben dem Hauptort noch See angehörte. Bedeutendster Bürgermeister der Gemeinde war wohl Josef Bachl (1894 – 1911), ein weitsichtiger Mann, der in Haidlfing die Post einrichtete, eine Molkerei betrieb, Mitbegründer der Raiffeisenbank und Mitinitiator der Isarmoosentwässerung war. 1972 wurde die Gemeinde Haidlfing aufgelöst und mit dem Markt Wallersdorf zusammengelegt. Haidlfing war früher auch Sitz einer Schule. Seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges lassen sich hier Lehrer nachweisen. Doch erst 1802 wurde in Bayern die allgemeine Schulpflicht eingeführt, was allmählich zu einem intensiveren Unterricht führte. 1892 wurde ein neues Schulhaus errichtet, wo viele Generationen Haidlfinger Kinder auf das Leben vorbereitet wurden. 1969 erfolgte die Eingliederung
in die Volksschule Wallersdorf, 1977 wurden die letzten Grundschulklassen unterrichtet
und 1982 fiel das alte Schulhaus der Spitzhacke zum Opfer.
Heute ist Haidlfing zwar in vielerlei Hinsicht seiner Eigenständigkeit beraubt, trotzdem strebt der Ort wirtschaftlich und kulturell auf. Zwei Banken betreiben hier ihre Filialen, eine große Schreinerei unterhält Handelskontakte auch in ferne Länder und nicht zuletzt die Landwirtschaft mit seiner modernen und vorausschauenden Arbeitsweise prägt den Ort. Dass es nicht langweilig wird, dafür sorgen die zahlreichen Vereine, von denen die Freiwillige Feuerwehr (gegründet 1875) und dieKrieger- und Reservistenkameradschaft (1882) die ältesten im Ort sind. Heute zählt Haidlfing rund 1200 Einwohner.
Richard Wagner

 

1250-Jahr-Feier Haidlfing
Die erste urkundliche Erwähnung im Jahr 749 nahm die Dorfbevölkerung zum Anlass, im Jahr 1999 die 1250-Jahr-Feier zu begehen. Ein ganzes Festjahr war geprägt von zahlreichen Veranstaltungen wie z. B. Historische Ausstellung, Pontifikalgottesdienst mit dem Abt von Niederaltaich sowie einem sechstägigen Volksfest. Während dieser Tage war ein Gelöbnis der Bundeswehr, das Cuba-Libre-Fest sowie ein Konzert mit der Biermösl Blosn und Gerhard Polt. Absoluter Höhepunkt des Ortsjubiläums war aber am Sonntag, als sich zunächst ein Historischer Festzug mit rund 500 Teilnehmern durch das Dorf bewegte, der die Geschichte Haidlfings in anschaulicher Weise vorführte. Anschließend gab es rund um das Festzelt ein Historisches Treiben mit alten Handwerksberufen, Tierschau, Dreschvorführung, alten Schleppern, Tänzen und Gesängen aus dem Mittelalter und viele Attraktionen mehr. Allen, die an dieser Feier teilgenommen haben, werden die festlichen Tage wohl lange in Erinnerung bleiben.